Alice Agneskirchner

– Produzentin – Buch & Regie –


– Alice Agneskirchner, geboren in München, ist noch vor Mauerfall an die Filmhochschule nach Babelsberg gegangen. Seit den 90er Jahren macht sie Dokumentarfilme: „Es ist mir bei jedem Film absolut wichtig, den Menschen, die ich dokumentarisch begleite, zuzuhören, sie mit den filmischen Mitteln zu charakterisieren – und dabei sensible und dramaturgisch anspruchsvolle Erzählungen aus der Wirklichkeit zu gestalten.“ 

Ganz bewusst widmet sie sich mit jedem neuen Filmprojekt unterschiedlichen Menschen und Themen. Der Kino-Dokumentarfilm „Auf der Jagd – Wem gehört die Natur“ ging der Frage nach, wie es eigentlich um die Jagd und unser Verhältnis zu den Jägern bestellt ist – in einer Landschaft, die von Landwirtschaft und Forstwirtschaft und nur selten von Natur geprägt ist. Der Kinderfilm „Lampenfieber“ begleitet ein ganzes Jahr Maja, Luna, Nick, Oskar, Amira und Alex – sechs Kinder und Jugendliche (zwischen 8 und 18 Jahren), die alle im Friedrichstadt-Palast in Berlin im größten Jugendensemble Europas singen, tanzen und schauspielern. Während dieser Zeit wurde die große Kindershow „SPIEL MIT DER ZEIT“ von 250 Kindern einstudiert – mit der Premiere sind die jungen Protagonisten ein Jahr erwachsener geworden. Für die Fernsehdokumentation „Wie HOLOCAUST ins Fernsehen kam“  hat sie 2020 den Grimme-Preis erhalten. 

Begründung der Grimme-Preis-Jury:
„1979 kommt unter großen Schwierigkeiten eine vierteilige US-Serie über den Genozid an den Juden, verübt von den Deutschen, ins deutsche Fernsehen und damit der Holocaust ins kollektive Bewusstsein der Bundesrepublik. „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ schildert das Schicksal einer jüdischen Familie im Dritten Reich von den frühen Jahren der Entrechtung bis zum Tod in der Gaskammer. Parallel wird der Weg eines ganz normalen Deutschen hin zum Massenmörder gezeigt. 

Alice Agneskirchner beschreibt in ihrem Dokumentarfilm die Produktions-, Ausstrahlungs- und Rezeptionsgeschichte der Serie. Sie hat zahlreiche Protagonist*innen, die damals am Film beteiligt waren, dazu gebracht, Auskunft zu geben, hat manchen von ihnen in einen mitunter schmerzhaften Erinnerungsprozess geführt und sensibel begleitet. Die umfangreiche Archivrecherche verhalf aufschlussreichen Quellen ans Licht, die mit den anderen inhaltlichen und gestalterischen Ebenen des Films, darunter zahlreiche Ausschnitte aus der Serie, auf kluge Weise zu einer überzeugenden und eindringlichen Erzählung über eines der wichtigsten Medienereignisse der späten 1970er Jahre montiert wurde, ohne die Problematik der Fiktionalisierung des Holocaust ganz außer Acht zu lassen. 

Auf instruktive Weise ist es Alice Agneskirchner gelungen, der Vielschichtigkeit der Serie als fiktionales Produkt, ihrer Ausstrahlung als Medienereignis und deren Wirkung als eine Art Quantensprung in der Bewusstseinswerdung des Holocaust in der bundesdeutschen Gesellschaft gerecht zu werden und alle diese Aspekte in ihrer Komplexität darzustellen und zu vermitteln. Spätestens vor dem Hintergrund, dass etwa zwanzig Millionen Zuschauer*innen, also rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung der Bundesrepublik, mindestens eine Folge der Serie sahen, wird mit Agneskirchners Beschreibung der lebensgeschichtlichen Dimension, die die Serie für Beteiligte und das Fernsehpublikum hatte, auch deren mentalitätsgeschichtliche Dimension offengelegt.“

(Foto: ©Anita Back)

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